Wanderung 2008

da geht einer ab...

Es ist Freitag, der 15. August 2008, 8:30 Uhr. Man trifft sich zur alljährlichen Wanderung. Es sind noch keine fünf Minuten vergangen, ertönt zum ersten Mal das erfrischende Zischen eines Kronenkorkens einer Bierflasche. Stefan ist der Übeltäter, der die Flasche köpft. Es wird nicht seine letzte bleiben... 

Über Traiskirchen machen wir uns auf den Weg nach Baden, um dort El Presidente in den Gemeindebus zu laden. Unsicherheit macht sich breit: Wandern wir nur bis Samstag, oder wie ursprünglich angedacht, bis Sonntag. Bevor Manchi einen Fuß in den Bus setzen kann, brüllt einer durch das Gefährt: „Wie is des jetz, bis Samstag oder Sonntag?! Können wir uns endlich mal entscheiden!!“ Höchst entschlussfreudig entbrennt eine hitzige Diskussion. Das Ergebnis: Wir entscheiden erst in Tamsweg, wie lange die Wanderung 2008 dauern sollte. Dies ist einem zu viel: Stefans Spontanität prägt den Morgen, er wechselt kurzer Hand am Josephsplatz das öffentliche Verkehrsmittel, von Bus in Badner Bahn, reißt sich noch ein Hopfengold unter den Nagel und beendet die Wanderung nach einer halben Stunde. Dabei war er es doch, der bis Sonntag bleiben wollte... 

Zu acht geht es weiter. Chauffeur Gerhard jagt den Bus in Rallye-Manier gen Kapfenberg, zur traditionellen Jause. 

13:00 Uhr, endlich die Ankunft im Salzburgerischen Tamsweg, bei vorhergesagtem Regen. Nach einem kräftigenden Mittagsmahl, das teilweise Überraschungen birgt (Gebackener Käse mit Schlagobers serviert), geht es auf in die Tischtennishalle. Ein Novum bei einem Wanderwochenende. Das Freundschaftsmatch gegen den TTC Intersport Frühstückl (warum nicht Jausl oder Mittagessl, Bongo?) Tamsweg endet im oberen „Paarkreuz“, das eigentlich ein „Quartett-Kreuz“ war, 11:5 für uns. Das untere Kreuz wird nur mit drei Krot'nprackern ausgestattet, irgendwo ist uns wohl jemand abhanden gekommen... Es endet mit einer 5:7-Niederlage und einer Entgleisung unseres Schriftführer-Stellvertreters Thomas K. 

Bei der Nachbesprechung und Aufarbeitung gibt es noch ein Bier für die die durstigen Kehlen, bevor der Aufstieg zur Jakoberalm erfolgt. 

Die Uhr zeigt bereits 30 Minuten nach 18 Uhr, höchste Zeit für den Aufbruch, wartet doch noch eine Stunde wandern auf uns, und man bevorzugt doch die Helligkeit, um auf die Hütte zu gelangen. Auf der Überfahrt zum Abmarschort setzt heftiger Regen ein, was Gerhard vielleicht durch die leicht beschlagene Brille verborgen bleibt. Der Fahrstil lässt dies zumindest vermuten. Im Bus macht sich unterdessen Partystimmung breit, ständig hört man einen Kronkorken zischen. 

19 Uhr, die Wanderung startet nun schlussendlich. Es hat sich gelohnt, alle Vorräte aufzuessen und auszutrinken, der Wettergott beschert uns die vermutlich einzige regenlose Stunde des Tages, so kommen wir halbwegs trocken auf die Jakoberalm. 

Wildromantisch nimmt der Abend seinen Lauf, denn auf der Alm, da gibt’s ka Sünd, und auf der Jakoberalm auch keinen Strom. Beim Abendessen im Kerzenschein ertönt Gerhards Stimme: „Magst noch an Käs, Bongo?“ Eigentlich eine rhetorische Frage, hat er schon jemals etwas abgelehnt? „Eh kloar“, die kurze Antwort. Genüsslich stopft er sich den vermeintlichen Käse in den Mund, ehe er bemerkt „Äh, des is ja Butter!!“ Nach einem Digestiv, einem Obstler, „einem guaten“, beziehen wir das Nachtlager. 

„Bitte wer is des?“ fragt Christoph um 2 Uhr in der Nacht, geweckt von animalischen Geräuschen im Matratzenlager. Links von uns duelliert sich ein älteres Ehepaar im nächtlichen Bäume sägen. So etwas hat die Menschheit noch nicht erlebt! Bei dieser Intensität des Schnarchens ist es wahrlich verwunderlich, dass die Holzhütte noch steht. Unsere Antwort lässt nicht lange auf sich warten und ist bestimmt nicht minder tierisch. 

Das Gebet wurde erhöht! Um 6 Uhr verabschieden sich die Holzfäller, endlich kehrt Ruhe ein und schlafen ist möglich. 

Mit einem kräftigen Frühstück im Magen wollen wir den Tag beginnen und die Wanderung fortsetzen. Doch Regen verhindert unser Vorhaben. Was tun? Uno spielen ist die Lösung. Konni erringt in unzähligen Runden den Gesamtsieg und das Gewinner-Bier, gesponsort von Bongo, der uns ein ums andere Mal mit herrlichen Aktionen unterhalten hat. Gerhard, das Schlitzohr, hält seine Karte zum Ablegen bereit, um Bongo auszutesten, dieser fällt natürlich auf den Trick herein und verbaut sich somit die Siegeschance, indem er uns seine Karte zeigt. Sollte eine „+Karte“ am Stapel obenauf liegen, gehören die Karten demjenigen, der an der Reihe ist, und natürlich auch Big B, er soll ja nicht gewinnen. Spielen Sie nicht auch mit eigenen Uno-Regeln? 

Es wird 12 Uhr, Mittagszeit, das Wetter ist immer noch, nennen wir es so: verbesserungswürdig. Um 14 Uhr, den Magen vollgeschlagen, versuchen wir es nun endgültig, die Wanderung fortzusetzen. Gestärkt durch einen Verabschiedungs-Schnaps, diesmal kein „guater“ Obstler, machen wir uns auf die Socken. 90 Minuten Fußmarsch warten vorerst bis zur nächsten Hütte, wo dann eine Entscheidung über das restliche Wochenende fallen wird. 

Bereits nach wenigen Metern öffnen sich erneut die Wolken und lassen alles raus, was sie so in sich haben. Die Baumgrenze haben wir schon lange überwunden, nun folgt die Schneefallgrenze. Mit Schneefeldern hatten wir in den letzten Jahren schon so unsere Bekanntschaften gemacht, mit einem völlig zugeschneiten Berg allerdings noch nicht. Fünf bis zehn Zentimeter von der weißen Pracht erschweren den Marsch ungemein, sieht man doch dicht mal mehr den Weg. Auf der Fischerhütte angekommen versuchen wir irgendwie die Kleidung zu entwässern. Bongo hatte Gott sei Dank eine Funktionshose, die schnell trocknen sollte. Mehr dazu später. Mit Bier und einem ordentlichen Jagatee entschließen wir uns, die Wanderung frühzeitig zu beenden. Das Wetter würde auch am Sonntag keinen Gipfelsturm zulassen, besten Falls gibt’s am Gipfel einen Sturm... 

Der Abstieg von der Fischerhütte war eine Sauerei. Zwei Schweine verfolgten Bongo, ähnliche Körpergerüche? Zurück im Tal gibt’s den nächsten tierischen Zwischenfall. Ein Pferd schickt sich an, in Manchis Rucksack Futter zu suchen, und schreckt auch nicht davor zurück, bissig zu werden. Als der Gaul merkt, dass es beim Doktor nichts zu holen gibt, konzentriert es sich auf Richy und Pipi. Letztgenannter verliert nach kurzer Zeit die Contenance, pfeilschnell galoppiert er vor dem Mustang ehe Gerhard die Initiative ergreift und dem Getier mit dem Gastgeschenk des TTC Tamsweg, einem Regenschirm, danke an dieser Stelle nochmal, eines überzieht. 

Die Heimfahrt ist nun Aufgabe von Christoph, der sich fast schon fahrlässig dazu bereit erklärt hatte. Nach dem letzten Einkehrschwung im ältesten Steirischen Wirtshaus brandet im Bus wieder Partylaune auf. Gebt unseren Leuten keinen Grund zu feiern! Doch diesen haben sie: Flo hat Geburtstag. Richy, Pipi und Konni feiern ihn gehörig und lassen sich auch nicht durch deinen „Freund und Helfer“ aufhalten. Pipi ruft „Simma scho vorbei?“ Mit Nichten. Der Exekutivbeamte könnte mitfeiern, so nah ist er noch am Bus. 

Verursacht durch Bierkonsum macht der Partybus im Schnitt an jeder zweiten Autobahnraststation Halt um sämtliche Blasen zu entleeren. Es ist mittlerweile 0:30 Uhr, 17. August, als wir in Guntramsdorf ankommen. Somit waren wir also doch bis Sonntag unterwegs... Achja, Bongos Hose ist immer noch nicht trocken! 

Das war sie, die Wanderung 2008. Wenig wandern, viel Bier, na und?