Wie die Zeit vergeht...

von Gerhard Zöchmeister

Als ich vor zirka drei Jahren das Amt des Nachwuchsbetreuers antrat, hatte ich eigentlich kein Ziel und wenig Motivation. Ich stand dem Verein nur zur Verfügung, damit der TTC Guntramsdorf, der mir sehr am Herzen lag, keine Strafe zahlen musste.

Mit der Zeit versuchte ich aber das beste daraus zu machen. Dank Thomas Keller (alias Bon-go) konnte ich eine geregelte Trainingszeit einführen: Zweimal in der Woche à 90 Minuten. Danach nahm ich meinen Freund und Mannschaftskollegen Bernhard Garaus in den Betreuer-stab auf. So weit, so gut, jetzt waren wir zu dritt.

Mein Vorgänger Alexander Garaus hatte schon einige Nachwuchsspieler, aber das Klima und Charisma des Teams gefiel mir nicht. Einige Spieler hörten auf, andere verwies ich vom Ver-ein. Zum Glück kamen nur einige Wochen später neue Kinder zum TTC, zum Beispiel Max Gadermeier.

Die erste Jahresrangliste, die sehr verkürzt gespielt wurde, gewann Stefan Schuster. Nach einer Zeit bekamen die ersten Nachwuchsspieler auch Spielerpässe und konnten so zu Turnie-ren fahren und Meisterschaft spielen. Denn Meisterschaften und Turniere sind sehr wichtig, auch wenn man nichts bis wenig gewinnt. Die ersten Turniere stand ich hinter der Bande und freute mich über jeden Punkt, damit meine Leute nicht in ein Debakel laufen.

Da ich schon immer einen guten Draht zu Franz Sellmeister hatte, nahmen unsere Nach-wuchsspieler bei fast jedem Neudorfer Trainingslager teil.

Eines Tages kamen zwei Nachwuchsspielerinnen zu uns in den Verein. Am Anfang wusste ich nicht, wie ich die Beiden behandeln sollte. Aber mit der Zeit stellte sich heraus, dass sie für das positive Klima in der Mannschaft seht wichtig sind. Mit den beiden hatte ich sieben sogenannte Nachwuchskaderspieler. Ein Kaderspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er kein reiner Hobbyspieler mehr ist. Er hat die Ehre und die Pflicht den TTC Guntramsdorf bestmög-lich zu repräsentieren. Die glorreichen Sieben waren: Stefan Schuster, Max Gadermeier, Ri-chard Scharf, Christoph Lehner, Florian Streb, Marlene Pretl und Daniela Marchsteiner. Et-was später kamen auch Siegmund Skalar und Philip Streb dazu. Die Kaderspieler mussten oder sollten jetzt auch dreimal in der Woche zwei Stunden trainieren und die ersten kleineren Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bei kleineren Turnieren gewannen wir schon den einen oder anderen Pokal.

Im Jahr 2000 begannen Bernie und ich mit dem Lehrwartekurs, denn eines war klar: Nur mit Begeisterung zum Tischtennis wird man kein Erfolgscoach. Auch fachliche Kompentenz und das Know How müssen erlernt werden. Ein Jahr und viele Tropfen Angstschweiß später hat-ten wir die Prüfung geschafft.

Franz Sellmeister ließ meine Spieler am Mittwoch in Wr. Neudorf mittrainieren. So hatten unsere Youngsters bereits viermal in der Woche Training. Auch ich durfte jeden Mittwoch als Co-Trainer mithelfen und so weiter Erfahrung sammeln. Ich sah wie ein großer Verein trai-niert und konnte mir einige Trainertricks abschauen.

Im Frühjahr 2001 veranstalteten wir das erste Anfängertraining Dienstags von 17 bis 18 Uhr. Einige Kinder zwischen sieben und zehn schnupperten bei uns Tischtennisluft. Als erster von der Anfängergruppe schaffte Roger Neubig den Sprung zum Kaderspieler. Mit etwas Verspä-tung kamen auch Alex und Martin Schirlinger und Georg Bacvanin dazu. Und wer weiß wer noch dazukommt.

Mittlerweile sind die Kaderspieler schon sehr gut und man muss sich keine Sorgen mehr ma-chen, dass es ein Debakel gibt. Im Gegenteil, bei jedem Ranglistenturnier kann mit einem Pokal spekuliert werden. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass jeder von Spielern, Betreuern, Sponsoren und Fans nicht größenwahnsinnig wird. Schließlich waren wir vor drei Jahren noch einen Null auf der Niederösterreichischen Tischtennislandkarte. Jetzt sind wir in NÖ gut, aber was ist das schon, wenn man bedankt, dass Österreich neun Bundesländer hat. Also haben wir weiter einen harten und steinigen Weg. Nicht nur im Training sonder auch im Budget müssen wir uns noch verbessern. Im Gegensatz zu den Großvereinen können wir nicht mit Geld her-umschmeißen. Aber ich glaube seit Bernhard Garaus Obmann ist (Juli 2001) geht es auch da ein bisschen aufwärts. Mit ihm gemeinsam habe ich ein Nachwuchsranglistenturnier nach Guntramsdorf gebracht. Seit September 2000 findet das Spektakel jährlich statt.

Als ich noch ein Nachwuchsspieler und Mitglied des Drei-Kronen-Teams (Bernie, Alex und Ich) war, war es immer ein Traum von uns in Guntramsdorf ein Turnier zu spielen und einen Pokal zu gewinnen. Der damalige Vorstand meinte immer es wäre undurchführbar. Stefan Schuster war der erste, dem dies 2001 gelang.

Wie weit der Höhenflug des TTC Guntramsdorf weitergeht, weiß ich nicht, aber ich hoffe noch sehr lange. Irgendwann muss man auch lernen, Niederlagen einzustecken. Meiner Mei-nung nach haben wir dies aber bereits am Anfang genügend gelernt.

Da wir seit dem Frühjahr eine zweite Halle von der Gemeinde zur Verfügung gestellt be-kommen haben, haben wir endlich die Trainingsverhältnisse, die ein aufstrebender Verein braucht. Aber es war auch früher nicht so schlimm, denn wir waren Weltmeister im improvi-sieren. (20 Kinder auf vier Tische? - Kein Problem, oder?)

Seit einiger Zeit interessieren sich Verein für mich. Das ehrt mich und gibt mir Selbstvertrau-en. Alle Angebote waren vom finanziellen besser als meine jetzige Stelle. Aber ich kann und will meine Kaderspieler/Innen nicht im Stich lassen. Jeder Spieler ist mir auf seine Art sehr wichtig, nicht nur im Sport sondern auch privat.

Zum Schluss ist mir wichtig, dass der Verein seinen Charakter behält, auch wenn er vielleicht irgendwann zu einer Top-Adresse im österreichischen Tischtennis zählt. Die Gemeinschaft und Freundschaft ist sehr wichtig, einer muss für den anderen durchs Feuer und wieder zurück gehen. Das ist unsere Stärke und ich hoffe, dies wird nie vergessen.